Rasumichin talks

Ein paar Zeilen, die mich in Schuld und Sühne von Dostojewski verliebt gemacht haben und die ich ungern vergessen möchte.
Ein dicker Buchtipp, besonders für graue Herbsttage:

Erlaubt!“ unterbrach ihn Pulcheria Alexandrowna schüchtern, das aber bestärkte ihn nur in seinem Eifer.
„Was denkt Ihr?“ rief Rasumichin, lauter werdend, „meint Ihr, ich rede darüber, daß andere irren? Unsinn! Ich liebe es, wenn man irrt! Der Irrtum ist das einzige, was die Menschheit vor allen anderen Lebewesen voraus hat. Wenn man irrt, gelangt man zur Wahrheit! ich bin deshalb Mensch, weil ich irre. Zur reinen Wahrheit kann man nicht gelangen, ohne vierzigmal geirrt zu haben, oder auch hundertvierzigmal, und das ist ehrenvoll in seiner Art. – Irre nur, aber irre auf deine Weise! In der eigenen Weise zu irren ist fas besser als Wahrheit auf fremde Weise. Im ersten Falle ist man Mensch, im zweiten ein plappernder Papagei. Die Wahrheit wird nicht davolaufen, aber man wird nicht verstehen, sie zu finden. Dafür hat’s Beispiele genug gegeben! Was sind wir? Wir alle, alle ohne Ausnahme, stecken noch in den Kinderschuhen in bezug auf die Wissenschaft, die Erziehung, unser Denken, unsere Erfindungen, unsere Ideale, Wünsche, Urteile und Erfahrungen! Es gefällt uns, mit fremdem Verstand auszukommen, wir haben Geschmack daran gefunden! Ist’s nicht so? Habe ich recht?“ Rasumichin schüttelte und drückte die Hände der Damen. „Ist’s nicht so?“
Seite 212 f.